Donnerstag, 21. November 2013

Eine andere Welt

Die Strasse zu unserem Compound wird zur Zeit saniert. Heute sind die Maschinen direkt vor unserem Haus aufgefahren. Als ich nach der Spielgruppe nach Hause kam, war es deshalb sehr laut. Vom Schlafzimmerfenster und vom Balkon kann man denn die Arbeiten recht gut beobachten und einmal mehr werden mir die Unterschiede zwischen der Schweiz und Indien vor Augen geführt. Bevor nämlich die Löcher mit Teer gefüllt werden, muss die Strasse gewischt werden. Diese Arbeit wird immer von Frauen mit dem sogenannten Indian Duster erledigt. Dies ist ein Besen ohne Stiel, man muss somit in der Hocke am Boden sitzten, um zu wischen.

Normalerweise arbeiten ganze Familien auf solchen Baustellen. Der Teermischer sieht für mich irgendwie wie eine alte Lokomotive aus. Nachdem die Strasse besenrein ist, werden dann die Löcher gefüllt. Erst mit Kies, dann mit Teer. Das Kies wird von den Frauen auf dem Kopf getragen und die Teermischung dann mit einer Schubkarre von den Männern transportiert.






Was machen die Familien denn mit den Kindern, während sie arbeiten? Sie nehmen diese mit und die Kinder spielen auf der Baustelle oder schlafen gleich neben der Teermaschine. Wie ungesund dies ist, muss ich vermutlich nicht speziell erwähnen, doch diese Familien wissen dies vermutlich nicht und haben zudem auch keine andere Möglichkeit, als ihre Kinder mitzunehmen.
Gegessen wird dann übrigens kurz am Strassenrand, die Maschine läuft ja weiter und dementsprechend fällt der Mittag auch kurz aus.




Freitag, 15. November 2013

Back in India

Am Montag ging es nach zwei schönen Wochen in der Schweiz wieder zurück nach Incredible India. Erstmals noch vielen Dank für die vielen Besuche und Begegnungen. Wir haben uns wirklich sehr gefreut. Es ist so schön in die Schweiz zu kommen und so viele liebe Menschen wieder zu treffen! Trotzdem fiel uns der Abschied von Familie und Freunden diesmal ein wenig leichter als noch im März und Mai. So langsam scheinen wir uns hier eingelebt zu haben und wir empfinden Indien als unser daheim. So sind wir nun auch schon wieder im Alltagstrott eingetroffen. Lorenz musste ja bereits am Dienstag wieder ins Büro, ich habe versucht ein bisschen Ordnung ins Chaos zu bringen. Das heisst vor allem Wäsche waschen und abstauben. Es ist unglaublich, wie viel Staub sich hier innerhalb von nur zwei Wochen ansammelt. Spontan hat sich dann noch Besuch angemeldet und wir haben zwei schöne Tage mit den Fiederlings verbracht. Nochmals vielen Dank für den Besuch! Es ist immer schön, wenn jemand aus der Schweiz uns besuchen kommt, sie es auch nur für einen Tag. Nun ist schon bald wieder Wochenende. Lorenz musste heute morgen sehr früh los, da er einen Geschäfstbesuch im Osten macht und der Flug bereits um sieben Uhr ging. Morgen wollen wir dann endlich mal an einen Kaffeeplausch der deutschen Gruppe. Diesmal im Lodhi Restaurant in Delhi. Da die Temperaturen zur Zeit sehr angenehm sind, freuen wir uns schon auf ein paar schöne und erholsame Stunden im Gartenrestaurant. Ja und nächste Woche kommt ja schon wieder Besuch! Aman Sapra reist aus Bangalore an. Ihr merkt, zur Zeit läuft so einiges bei uns in Indien. In diesem Sinn euch allen ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Mal!

Montag, 28. Oktober 2013

Finally!

Seit fast zwei Wochen warten wir nun schon auf das Visa für Maila. Ohne dieses kann sie Indien nicht verlassen. Leider waren noch einige Feiertage auf den Behörden, was uns natürlich nicht darauf hoffen liess, dass das Warten bald ein Ende hat. Trotzdem sandten wir unseren Fahrer jeden Tag auf die Ausländerbehörde, um den Status unseres Antrags abzuklären. Heute kam dann plötzlich der Anruf, dass sie uns eine Ausreisebewilligung für Maila ausstellen würden. Das Visa müssten wir dann einfach in der Schweiz beantragen. Der Fahrer fuhr also ins Büro, um Lorenz abzuholen. Und siehe da, mit den Flugbestätigungen bekamen wir für umgerechnet hundert Franken einen Stempel in Mailas Pass sowie eine Bestätigung, dass sie ausreisen darf. Nun heisst es packen! Unser Flug geht diese Nacht. An morgen früh sind wir dann in der Schweiz... Wir können es irgendwie noch gar nicht glauben. Eigentlich hatten wir uns schon darauf eingestellt, dass wir erst zu Weihnachten zurück kommen. Wenigstens haben wir nun auch eine gute Ausrede, wieso unser Haus nicht Diwali-mässig beleuchtet ist... Das grosse Fest ist ja diesen Sonntag. Und da es ja auch das Lichterfest genannt wird, haben die Nachbarn begonnen, ihre Häuser mit Lichterketten zu schmücken. Es erinnert uns ein bisschen an die Vorweihnachtszeit in der Schweiz. Nur sind die Lichterketten hier einfach bunter und es fehlen die Nikoläuse und Rentiere...

Dienstag, 22. Oktober 2013

Tatvam Diwali Mela

Diwali, das Lichterfest steht vor der Tür. Eigentlich ist es erst am 3. November soweit, doch wie bei Weihnachten sind jetzt schon alle Supermärkte voll mit den typischen Diwali-Geschenken wie Körben mit Trockenfrüchten und Nüssen. Das Fest ist von der Bedeutung her mit Weihnachten zu vergleichen, findet jedoch jedes Jahr an einem anderen Tag statt, der sich nach dem indischen Kalender und dem Mond richtet. Typisch für Diwali sind Ölkerzen, welche aufgestellt werden. Heutzutage werden zudem auch viele Häuser beleuchtet. Des weiteren ist es Tradition, an Diwali Feuerwerk steigen zu lassen. Man sagt, dass man Indien in der Diwali-Nacht vom Weltall her als völlig beleuchtet sehe. Zudem sei in dieser Nacht nicht an Schlaf zu denken, da überall gefeiert werde.
Vor Diwali gibt es unzählige Möglichkeiten, Geschenke einzukaufen, denn es ist zudem Tradition viele Geschenke zu machen. Zum Beispiel bekommen gewisse Mitarbeiter anstatt eines 13. Monatslohn ein Diwali-Geschenk in Form von Geld.
Viele der Condomniums organisieren im Vorfeld von Diwali sogenannt Melas, vergleichbar mit unseren Weihnachtsmärkten. Auch bei uns gab es eine solche Mela. In einem Block wurden Stände aufgestellt, am abend fand zudem eine Talentshow der Anwohner sowie ein Essen statt. Zusammen mit unseren Nachbarn Birgit und Jochen wollten wir also an den Markt gehen. Typisch indisch war um 15.30 Uhr noch nicht alles aufgebaut, obwohl der Beginn eigentlich um 15 Uhr sein sollte. Leider war das Angebot auch nicht so, dass man viel Geld ausgeben konnte. Wir sassen dann halt ein bisschen da, liessen die Kinder spielen, assen Kekse (für Charity) und redeten. Die Beiträge am abend waren zum Teil nicht schlecht, aber leider war es doch recht laut, auch dies typisch indisch. Das Essen sollte es um 21 Uhr geben, aber auch hier gab es eine gute halbe Stunde Verspätung, zum Glück hatten wir um 18 Uhr noch was gegessen. Wie immer lernt man an solchen Anlässen wieder neue Leute kennen, vor allem wenn man ein Baby dabei hat.
Das Essen würden wir nächstes Jahr vermutlich ausfallen lassen, da es für uns zu spät war, doch der Anlass war grundsätzlich gelungen.
Hier noch ein paar Eindrücke:

Die Küche... und nein, wir hatten danach keine Magenprobleme.



Freitag, 18. Oktober 2013

Neulich auf der Sohna Road

Was macht man, wenn der Bus steckenbleibt? Genau, alle steigen aus, machen sich erstmals ein Bild und dann wird das Problem gelöst. Neulich konnten wir genau eine solche Szene auf der Sohna Road beobachten. Der Bus war halb schräg in der Strasse abgestellt und blockierte somit die Hälfte der Strasse. Etwa die Hälfte der Personen standen rum und beobachteten, was geschah (völlig normal in Indien). Die andere Hälfte (vermutlich mehrheitlich Passagiere) versuchte den Bus von der Abschrankung weg zu bugsieren. Irgendwie haben sie es auch geschafft, denn als wir zurück kamen war der Bus weg...


Ach ja, und obwohl die Ampel rot anzeigte sind wir gefahren... man nimmt das hier nicht so genau.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Behördengänge Teil zwei - Schweizer Botschaft

Nach den vergangenen Ereignissen stellt sich die Frage, ob sich die Behörden in einem Land immer angleichen. Sprich, ist die Schweizer Botschaft in Indien eher indisch als schweizerisch?
Nach endlosen zwei Wochen kritischer und genauester Überprüfung wurde Mailas Geburtszertifikat in die Schweiz zur Eintragung gesandt. Letzte Woche kam dann das Mail, dass sie "endlich" eingetragen worden sei. Also fuhren wir am Freitag morgen frohen Mutes nach Delhi zur Botschaft, um ihren Pass zu benatragen. Natürlich erst, nachdem ich am Donnerstag den Online-Antrag ausgefüllt hatte. Es gibt ja nur noch die biometrischen Pässe, wo das Foto direkt in einem Automaten gemacht wird. Für Babys gibts eine Schale, wo man sie hinlegen kann, die Kamera ist dann im Dach der Anlage. Nach ein paar Anläufen hatten wir ein Foto. Danach mussten beide Eltern unterschreiben. Nach der Bezahlung fuhren wir dann wieder zurück nach Gurgaon. Positiv gestimmt begann das Wochende und ich muss zugeben, ich freute mich schon auf den Aufenthalt in der Schweiz. Und so kam es wie es kommen musste... Am Montag erhielten wir Bescheid, dass das Foto nicht angenommen worden sei, der Kopf sei zu wenig frontal drauf. Entgegen der Aussage der Boschaftsangestellten sind die Kinderpässe eben doch fünf Jahre gültig und deshalb müssen sie dieses Kriterium erfüllen. Obwohl, sind wir mal ehrlich, bereits in drei Monaten wird sie ja schon anders aussehen. Sei es so, am Dienstag fuhren wir also wieder nach Delhi. Diesmal waren sie besonders gut vorbereitet. An der Decke des Automaten hatte sie Stofftiere befestigt, damit Maila schön nach oben schaut. Tja, leider sieht sie noch nicht so weit. Unzählige Fotos später hatten wir dann ein Foto, welches den Kriterien entsprach. Also wieder unterschreiben und dann zurück. Tja, das war es leider noch nicht, diesmal bemängelte man in Bern das Foto sei zu neblig. Himmel! Die Maschine wurde vermutlich schon so lange nicht mehr gebraucht, dass das Fenster vor der Kamera staubig war und deshalb das Foto nicht ganz deutlich wurde. Auf alle Fälle wurde das gestern repariert und wir fuhren heute morgen ganz nach dem Motto "und täglich grüsst das Murmeltier" wieder nach Delhi. Wie Popstars durften wir dann an den ganzen Indern, welche ein Visa für die Schweiz beantragten, vorbei direkt zum Automaten. Unser Glück lässt uns in lezter Zeit recht im Stich und so dauerte es über eine Stunde, bis wir ein Foto hatten. Na ja, eigentlich gab es vorher schon ein paar gute Aufnahmen, doch diesmal streikte der Computer und die Fotos wurden nicht gespeichert. Also wurde das ganze System runter gefahren und dann nochmals von vorne begonnen. Am Schluss warteten wir noch 15 Minuten auf die Bestätigung der Schweiz, dass diesmal alles in Ordnung sei. So Gott will ist der Pass dann am Montag endlich bei uns, ganz nach dem Motto "die Hoffnung stirbt zuletzt".
Fazit? Den zweiten Besuch haben wir wohl der Unwissenheit der Botschaftsangestellten zu verdanken. Eigentlich sollte sie ja die Anforderungen an Passfotos kennen. Der dritte Besuch ist einem bünzligen Angestellten in Bern sowie der Technik zu verdanken. Meine Nerven kann ich nur sagen...

Dienstag, 1. Oktober 2013

Online Shopping

Ich gebe zu, ich war schon immer ein Fan von Online Shopping. Einfach durchschauen, wenn man Zeit hat, dann bestellen und zu Hause anprobieren. Kein Stress in lauten Läden mit schlechter Beleuchtung und überfüllten Kabinen...
Der Zufall will es, dass man sich in Indien fast alles nach Hause liefern lassen kann. In Lebensmittelgeschäften kann man anrufen und der Einkauf wird dann geliefert. Ich stelle es mir nur schwierig vor denen zu sagen, was ich will.  Das ist mir dann schon zu kompliziert. Deshalb bevorzuge ich Online-Stores. Für meine Handarbeitsartikel habe ich einen guten Online-Store gefunden, wo ich Garn und Nähzubehör bestellen kann. Einzig für die Stoffe muss ich mich noch ins Gewühl von Nehru Place stürzen. Auch unseren Staubsauger haben wir übrigens im Internet bestellt. Denn ein weiterer Vorteil ist, dass man dort gleich sieht, ob das Produkt auch erhältlich ist. "No stock", ist nämlich eines der Lieblingswörter der Verkäufer. Auf alle Fälle bin ich hier noch immer ein Fan von Online-Shopping. Einer der Läden schafft es sogar, innerhalb von 24 Stunden zu liefern. Da war ich schon recht baff. Gestern wurde mir auch etwas geliefert. Das Paket habe ich dann schnell ausgepackt und wollte die zwei Sachen anschauen. Ok, war alles da, nur wieso hatten sie die Sicherheits-Badgets dran gelassen? Beim ersten Artikel kein Problem, denn da war es an der Etikette und konnte einfach entfernt werden, beim zweiten Artikel war es jedoch nicht so einfach, da der Badge im Nacken festgemacht war. Ihr wisst schon, diese Sicherheits-Dinger, welche Alarm geben, wenn sie nicht entfernt werden... Also übten wir am Mittag halt ein bisschen Ladendiebstahl. Mit einem Sackmesser (zum Glück sind wir Schweizer!) lassen die sich also gut entfernen, braucht nur ein wenig Übung. Und einmal mehr haben wir etwas erlebt, dass es in der Schweiz vermutlich nicht geben würde. Amazing India...